GRADE Initiative "Geographien der Militarisierung"
Thematischer Schwerpunkt und Ziele
Militarisierung ist ein vielschichtiger Prozess, der gesellschaftliche, politische, ökonomische und räumliche Ordnungen durchdringt und transformiert. Gerade in gegenwärtigen (geo-)politischen Konstellationen zeigen sich verstärkte Dynamiken der (Re-)Militarisierung, die sich in Diskursen, Infrastrukturen und alltäglichen Praktiken niederschlagen.
Die Initiative untersucht diese räumlichen Dimensionen. Im Fokus steht, wie militärische Logiken, sicherheitspolitische Argumentationen und materielle Arrangements gesellschaftliche Bereiche wie Arbeit, Infrastruktur, Wohnen oder Alltagsleben durchdringen und transformieren. Militarisierung wird dabei als Prozess verstanden, der eng mit Konzepten wie Versicherheitlichung verwoben ist und in unterschiedlichen historischen und politischen Kontexten variierende Ausprägungen annimmt.
Aus einer kritischen sozialwissenschaftlichen und humangeographischen Perspektive untersuchen wir u.a. die Verschränkung von Militarisierung und politischer Ökonomie (z. B. Re-Industrialisierung, Rüstungsproduktion), die Transformation von Infrastrukturen und Landschaften sowie die Rolle von Diskursen in politischen Entscheidungsprozessen. Zudem richten wir den Blick auf die zunehmende Normalisierung militärischer Logiken im Alltag und auf verkörperten Dimensionen, etwa soldatische Körper, Mensch-Maschine-Konfigurationen sowie Fragen von Arbeit und Automatisierung.
Gemeinsam ist diesen Zugängen das Interesse an Machtverhältnissen, sozialen Ungleichheiten und räumlichen Neuordnungen. Zugleich reflektiert die Initiative ihre eigenen begrifflichen und methodischen Grundlagen, insbesondere im Hinblick auf Kritik, Positionalität und situiertes Wissen. Übergeordnetes Ziel ist es, die „Geographien der Militarisierung“ als offenes, plural verstandenes Forschungsfeld zu konturieren und langfristig zu institutionalisieren.
Treffen
Die Initiative verfolgt ein interdisziplinäres und kollektiv organisiertes Arbeitsmodell und trifft sich regelmäßig zu digitalen Arbeitstreffen (ca. einmal im Monat), in denen laufende Forschungsprojekte diskutiert, theoretische Konzepte reflektiert und methodische Fragen gemeinsam bearbeitet werden. Sie bringt Promovierende und Postdocs aus der Humangeographie und der Soziologie sowie angrenzenden Disziplinen zusammen.
Ziel dieser Treffen ist es, einen kontinuierlichen, niedrigschwelligen Austauschraum zu schaffen, der sowohl Feedback zu work-in-progress ermöglicht als auch Raum für kollektive Begriffsarbeit bietet.
Ergänzend sind punktuelle Präsenztreffen geplant, die der intensiveren Zusammenarbeit dienen, etwa in Form von Workshops oder Retreats. Hier sollen zentrale Themenfelder vertieft und gemeinsame Projekte entwickelt werden.
Kontakt
Fall Sie Fragen zu den Inhalten der Forschungsschwerpunkte haben, wenden Sie sich gern per Email an Sophia Leipert.
Mitglieder
Ansgar Dirschauer, Goethe-Universität Frankfurt, FB 11 - Geographie
Dr. Nora Küttel, Universität Bremen, Institut für Geographie
Arbeitstitel der Habilitation: Bedrohte Identitäten in Deindustrialisierungsprozessen - Arbeit, Geschlecht und Erinnerung im Rahmen von Transformationsprozessen ost- und westdeutscher Werften
Lilly Anjana Lautermann, Universität Münster, Institut für Geographie
Arbeitstitel der Dissertation: Emotional Geopolitics of Militarization
Sophia Leipert, Goethe Universität Frankfurt, Institut für Humangeographie / Institut für Soziologie
Arbeitstitel der Dissertation: Assembling the Automated Port.
Annika Reinke, Goethe-Universität Frankfurt, FB 03 - Gesellschaftswissenschaften
Dr. Linda Ruppert, Universität Heidelberg, Geographisches Institut
Friedrich Trautmann, Universität Freiburg, Institut für Geographie
Arbeitstitel der Dissertation: Zeitenwende im Betrieb – Arbeit, Sinn und Identität im Rahmen der Umstellung von ziviler auf militärische Produktion
Dr. Felix Wiegand, Goethe-Universität Frankfurt, FB 03 - Gesellschaftswissenschaften



